Internet Neufassung herausgegeben Juli
2010
vom Sichelzell-Informationszentrum
für
Deutschland
| Dr. Roswitha Dickerhoff Klinik für Kinder-Onkologie,-Hämatologie und Klin. Immunologie Universität Düsseldorf Moorenstr. 5 40225 Düsseldorf Tel. 0211-81-18590 Fax 0211-81-16206 E-mail: Roswitha.Dickerhoff(at)med.uni-duesseldorf.de |
Prof. Dr.Dr. Alexander von
Ruecker Schwerpunkt Hämatopathologie Institut für Pathologie Universitätsklinikum Bonn Sigmund-Freud-Strasse 25 D-53105 Bonn |
Schwerpunkt Diagnostik:
Prof. Dr.med. E. Kohne Universitäts-Kinderklinik Eythstrasse 24 D-89070 Ulm Tel. 0731-500-57149 Fax. 0731-500-57103 |
Bemerkung: die Bezeichnung (at) wurde statt @ verwendet um Spam zu unterdrücken !
Für diese Empfehlungen verwertet wurden eigene Erfahrungen sowie Erfahrungen englischer, französicher und amerikanischer Kollegen an großen Zentren.
Der nachfolgende Text liegt auch als PDF-Datei vor. Sollte es zu Schwierigkeiten beim downloading kommen, kann die Datei per e-mail zugesandt werden.
Akutes
Thorax-Syndrom
Analgetika
Aplastische
Krise
Chirurgische
Eingriffe
Cholezystitis
Chronische
Schmerzen
Erwachsenen-Probleme
Fieber
Gallensteine
Girdle Syndrom
Hämaturie
Hüftkopfnekrose
Hydroxyurea
Hyperurikämie
Hypersplenismus
Hyposthenurie
Knochenmarktransplantation
Kontrazeption
Lebersequestration
Milzsequestration
Ophthalmologische Probleme
Osteomyelitis
Pränatale
Diagnostik
Priapismus
Proteinurie
Pubertät
Routinebetreuung
Schmerzkrisen
Schwangerschaft
Transfusionen
ZNS-Infarkt
ZNS-Blutung
Die Sichelzellanämie ist eine
erbliche Hämoglobinerkrankung, die zu rezidivierenden
Gefäßverschlüssen, erhöhter
Infektanfälligkeit und
chronischer
hämolytischer Anämie
führt. Betroffen sind Individuen aus dem
Mittelmeerraum, dem Vorderen Orient, Asien, Afrika. Die Erkrankung kann
nur durch die Knochenmarktransplantation, nicht aber medikamentös
geheilt werden. Durch Prophylaxe und gezielte Behandlung der
vielfältigen Organmanifestationen kann den Patienten
jedoch erheblich geholfen werden. Dieser Leitfaden soll dem betreuenden
Arzt
die wichtigsten Schritte beim Management der häufigsten klinischen
Probleme von Sichelzellpatienten aufzeigen.
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Alle Patienten mit Sichelzellerkrankung sollten im Besitze eines Ausweises sein mit genauer Angabe der Hämoglobinanomalie, dem Datum und Ort der Diagnosestellung. Da Sichelzellpatienten oft verschiedene Ärzte sehen, können auf diese Art überflüssige Doppelbestimmungen der Hb-Elektrophorese vermieden werden.
Labor; Spezielle Untersuchungen
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Impfungen
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Penizillin - Prophylaxe (mindestens bis 5. Lebensjahr):
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Folsäure-Substitution
(0,5-1mg/d)
ist
nicht
notwendig
bei
normaler
ausgewogener
Diät.
Der
Nutzen hoher Folsäuredosen zur evtl. Senkung des bei
Sichelzellpatienten
erhöhten Homozysteinspiegel ist noch unklar und bedarf weiterer
Studien.
« Inhaltsverzeichnis
Grundprinzipien der Therapie:Wenn möglich (bei leichten Schmerzen, solange Darmgeräusche vorhanden) oral bzw. über Magensonde.1. Hydrierung
- HYDRIERUNG
- ANALGETIKA
- THERAPIE AUSLÖSENDER FAKTOREN
- PRÄVENTION
Wieviel? Gesamtflüssigkeit maximal 1 - 1 1/2 x Erhaltungsbedarf (bei pulmonaler Symptomatik bzw. Akutem Thoraxsyndrom cave Überwässerung: nie mehr als Erhaltungsbedarf geben)Angst vor Drogenabhängigkeit und Zweifel an der Stärke der geklagten Schmerzen dürfen nicht verhindern, daß ausreichend starke Analgetika, z.B. Opiate, gegeben werden. Evtl. Drogenabhängigkeit bei Sichelzellpatienten ist nicht Folge von Morphin-Gaben zur Analgesie, sondern resultiert aus psychosozialen oder beruflichen Schwierigkeiten.
Was? 5% Glukose + 50 mMol Na+/l + Erhaltungsbedarf an KCl
Kontrollen: Elektrolyte, Gewicht täglich, Ausscheidung»2. Analgetika
Prinzipien der Analgetikagabe in der Schmerzkrise
Analgetika, die sich bei Schmerzkrisen bewährt haben
A. leichte Schmerzen
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B. mäßig
schwere Schmerzen
eines der unter A
genannten
Analgetika
plus
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C. schwere Schmerzen
eines der unter A
genannten
Analgetika
plus
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evtl. Dauerinfusion Morphin (0,05 mg/kg/h) oder PCA (Patienten-kontrollierte Analgesie) |
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Unter IV-Gabe von Opiaten muß eine Hypoventilation vermieden werden. Geeignete Maßnahmen sind ATEMGYMNASTIK bzw. Blähen der Lunge mit SPIROMETER alle 2-3 Stunden. Bei Thoraxschmerzen und/oder sonstige pulmonaler Symptomatik darf die Gesamt-Flüssigkeitsmenge den Erhaltungsbedarf ( = 1,5 l / m2) nie übersteigen: Gefahr des Lungenödems
Wenn Schmerzen abnehmen, parenterale
Dosis um 10-20% reduzieren, Zeit-Intervall aber beibehalten. Umsetzen
auf orale Analgetika, wenn 50% der initialen parenteralen Dosis
erreicht ist. Morphin nicht abrupt absetzen, sondern ausschleichen.
Wenn Patienten sehr schnell die Klinik verlassen wollen, noch einige
Tage Oxygesic (Retard-Codein) oder MST (orales
Morphin-Retardpräparat)
3. Therapie auslösender FaktorenBei jeder Schmerzkrise, vor allem, wenn sie mit Fieber einhergeht, muß eine Infektion (Abdomen, Harnwege, Lunge, Skelettsystem) gesucht und dann gezielt behandelt werden.
4. PräventionSchmerzkrisen können ausgelöst werden durch Ereignisse wie Infektionen, Unterkühlung, Dehydrierung, Alkohol. Patienten müssen informiert werden über ausreichende Flüssigkeitszufuhr bei hohen Aussentemperaturen, Fieber, körperlicher Anstrengung mit Schwitzen, Flugreisen (extrem trockenen Luft im Flugzeug!!) sowie über Vermeiden von Unterkühlung und großen Alkoholmengen. Patienten mit Sichelzellkrankheit SC haben häufig relativ hohe Hb-Werte (10 - 12 g/dl). Vor einer Flugreise muß bei Patienten, deren Hb höher als 11,5 g/dl ist, ein Aderlass durchgeführt werden (10-15 ml /kg Körpergewicht Blut entfernen bei gleichzeitiger Gabe von 0,9% NaCl in gleicher Menge) um den Hb-Spiegel zu senken. Die hohe Viskosität des Blutes dieser Patienten kann sonst durch die trockene Luft im Fluzeug so verstärkt werden, dass es zu schweren Schmerzkrisen während oder nach dem Flug kommt.
Wenn bei febrilen Patienten Knochen-bzw. Gelenkschmerzen und Schwellung über den schmerzenden Partien mehr als 5 Tage anhalten, muß eine Osteomyelitis / eitrige Arthritis ausgeschlossen werden: Blut-und Stuhlkulturen (Salmonellen!), Ultraschall der betroffenen Stelle: subperiostaler Erguss > 6 mm spricht für Osteomyelitis. Erguß punktieren für Bakteriologie, evtl. Gelenkaspiration. Es gibt kein bildgebendes oder nuklearmedizinisches Verfahren das in der Lage ist, zwischen Infarkt und Osteomyelitis zu differenzieren! MR bzw. Knochenszinti kann nicht zwischen Infarkt und Osteomyelitis unterscheiden.
Differentialdiagnostisch sehr wichtig ist die Schmerzqualität. Patienten mit Osteomyelitis /Arthritis, die älter als 6 Jahre sind können angeben, dass diese Schmerzen "anders" sind als bei Schmerzkrisen.
Therapie mit Antibiotika, die
wirksam sind gegen Salmonellen, Staphylokokken, Streptokokken, H.
influenzae.
« Inhaltsverzeichnis
Alle Sichelzellpatienten, die anhaltendes Fieber >38,5°C haben (zwei Messungen im Abstand von 1 Stunde) ohne klin. Zeichen einer Infektion (Luftwege, GI, ) müssen untersucht werden. Auch erwachsene Sichelzellpatienten haben ein erhöhtes Sepsis-Risiko. Sichelzellpatienten, die ambulant antibiotisch behandelt werden, müssen täglich gesehen werden.
Patienten < 5 Jahre:« InhaltsverzeichnisPatienten > 5 Jahre:
- stationäre Aufnahme, unabhängig vom klinischen Zustand, wenn bei der Untersuchung nicht eine eindeutige Fieberursache gefunden wird: HWI, Infekt d. ob. Luftwege, Gastroenteritis
Untersuchungen:
- stationäre Aufnahme abhängig vom klinischen Zustand
- wenn ambulant, tägliche Kontrolle
Labor:Antibiotika: müssen wirksam sein gegen S.pneumoniae und H.influenzae und evtl. gegen Salmonellen (Cefriaxone, Ciprofloxacin)je nach Klinik:
- Blutbild, Retis, Blutkultur
bei Vd. auf Osteomyelitis:
- Röntgen Thorax
- Urinstatus, Urinkultur
- evtl. Rachenabstrich
- evtl. Mycoplasmentiter
- LP bei Meningismus
- lokales Röntgen, Ultraschall,
- Aspirat von Ergußsubperiostal bzw. Gelenk,
- Stuhlkultur (Salmonellen?)
Bei Fieber unklarer Ursache: alle Kinder < 5 Jahre, auch bei gutem AZ, und alle Patienten > 5 Jahre die krank wirkenBei Meningitis vor Erreger-Identifizierung:
- Ampicillin oder Cefotaxim I.V.
Bei Verdacht auf Osteomyelitis:
- Cefotaxim oder Ceftriaxon
Bei abdomineller Symptomatik:
- Ampicillin + Oxacillin bzw. Clindamycin
- bei Verdacht auf Salmonellen-Osteomyelitis: Ciprofloxacin
Cave: Salmonellensepsis bei Sichelzellpatienten geht mit einer Mortalität von ca. 25% einher. Häufig Multiorganversagen.
- Ampicillin + Metronidazol
! Frühzeitige Austauschtransfusion indiziert !
Transfusionen bzw. partielle Austauschtransfusionen sind bei Sichelzellpatienten nur in aussergewöhnlichen Situationen indiziert, um entweder den akut abgefallenen Hämoglobinspiegel zu heben oder akut oder über längere Zeit den Anteil an HbS zu senken. Indikationen und Art der Transfusion sind aus der Tabelle 1 ersichtlich. Bei Individuen mit Sichelzell-ßThalassämie besteht keinerlei Indikation für ein chronisches Transfusionsprogramm wie bei der Thalassämia major, da es bei dieser doppelt heterozygoten Erkrankung nicht zu einer klinisch relevanten ineffektiven Erythropoese kommt.
Hauptindikationen für Transfusionen bzw. partielle Austauschtransfusion
| Art der Transfusion |
Indikationen: Transfusion meistens notwendig | Indikationen: Transfusion manchmal notwendig |
| einmalige T. |
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| Austausch-T. |
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| chronische T. |
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Technik des partiellen Austausches:(Änderung
der
EK-Menge
bedingt
durch
Ersatz
der
CPDA-Präparate
durch
SAGM-Präparate, die niedrigeren HCT haben).
75% des Blutvolumens des Patienten ( d. h.
75 ml / kg KG x 0,75) wird entfernt und mit der gleichen Menge
Ery-Konzentrat + physiologische Na Cl ( im Verhältnis 2 : 1)
ersetzt. Beispiel: für den partiellen Austausch eines 30 kg
schweren Patienten müssen 1700 ml Blut entfernt und mit 1130 ml
Ery-Konzentrat + 570 ml physiologischer Kochsalzlösung ersetzt
werden. Es ist nicht notwendig, FFP zu verwenden. Der Austausch kann
entweder über einen zentralen Katheter
oder über zwei großlumige periphere
Katheter, einer in jeder Ellenbeuge, durchgeführt werden. Die
Dauer
des Austausches sollte 2 ½ Stunden nicht
überschreiten.
Um eine HbS-Konzentration von < 30% zu erreichen, kann es notwendig
sein,
den partiellen Austausch am nächsten Tag zu wiederholen.
Technik des "modifizierten partiellen Austausches", z. B. bei Akutem Thoraxsyndrom, um Transfusion effektiver zu machen, vor allem bei Ausgangs-Hämoglobin > 6 g/dl:
Vorsichtsmaßnahmen bei
chronischem
Transfusionsprogramm:
VorkommenEltern von Säuglingen und Kleinkindern mit Sichelzellerkrankung müssen das Palpieren der Milz lernen, bei jedem Wickeln anwenden und bei Tastbefund unter li Rippenbogen die Klinik aufsuchen.Klinik und Labor
- bei HbSS-Patienten: meist Kinder < 6 Jahre
- bei Patienten mit doppelt heterozygoten Sichelzellerkrankungen (Sichelzell-ßThalassämie, HbSC-Erkrankung) auch nach dem 5. Lebensjahr möglich bis ins Erwachsenenalter
- oft ausgelöst durch Infektion (Pneumokokken!)
Therapie
- Milz sehr groß, manchmal druckschmerzhaft
- Hypovolämischer Schock
- Hb-Abfall >3g/dl unter Normalwert für den Patienten (= große Milzsequestration)
- Hb-Abfall <3g/dl unter Normalwert für den Patienten (= kleine Milzsequestration)
- ausgeprägte Retikulozytose (oft 400-500%0), evtl. Thrombopenie
1. akut2. nach akuter Episode
- a) Volumen auffüllen
- b) sofortige Transfusion
- c) sorgfältige Überwachung des Kreislaufes, am besten durch Messen des zentralen Venendruckes, da unter Transfusion das in der Milz gepoolte Blut wieder mobilisiert wird.
- d) Penizillin I.V. (nach Abnahme von Blutkulturen)
Prophylaxe
- Splenektomie unabhängig vom Alter nach 1 großen Milzsequestration bzw. nach > 2 kleinen Episoden .
Mehr als die Hälfte der Kinder haben erneute Milzsequestrationen innerhalb kurzer Zeit. Das chronische Transfusionsprogramm bis zum Erreichen des 2. Lebensjahres, das vor einigen Jahren empfohlen wurde, hat sich nicht bewährt.
Vorkommen« InhaltsverzeichnisKlinik
- alle Altersgruppen, meist bei Infekten
Therapie
- vergrößertes Abdomen, epigastrische Schmerzen
- vergrößerte, schmerzhafte Leber, gelegentlich Ikterus
- I.V.Hydrierung, Analgetika, Antibiotika; evtl. partielle Austaustransfusion
Vorkommen« InhaltsverzeichnisUrsache
- möglich bei allen Patienten mit chronischer hämolytischer Anämie, d. h. auch bei Sichelzellpatienten
Klinik
- Parvovirus B19; selten andere Viren
Diagnose
- fieberhafter Infekt, oft schweres Krankheitsgefühl, Nackensteifigkeit, Kopfschmerzen;
kein Exanthem; Patienten sind infektiös während der Aplasie!Therapie
- innerhalb von wenigen Tagen Abfall des Hb auf 3-4g/dl; völliges Fehlen der Retikulozyten;
- Parvovirus-IgM-Titer positiv
Verlauf
- Transfusion
- Aplasie dauert meist 5-7 Tage
- Parvovirusinfektion hinterläßt lebenslange Immunität
UrsacheAlle diese auslösenden Ursachen können zu einer Gefäßreaktion führen, die vergleichbar ist mit einer Sequestrationskrise in anderen Organen: beim klassischen ATS sinken Hb und Thrombozyten rapide ab.
- in ca. 40-50% Fettembolien aus dem Knochenmark (Schmerzkrise vorher!)
- nach operativen Eingriffen, wenn nicht auf Vermeiden von Hypoventilation geachtet wird
- Hypoventilation bei schlecht überwachter Analgesie mit hohen Opiat-Dosen
- seltenere Ursachen: Infekte, Lungenödem durch Überwässerung
Vorkommen« InhaltsverzeichnisKlinik und Diagnostik
- alle Altersstufen
Therapie
- sehr häufig vorausgegangene Schmerzkrise
- Thoraxschmerzen mit T-shirt-Ausbreitung
- Fieber, Tachypnoe, Tachycardie
- Husten ist spätes Symptom
- Röntgen: beidseits basal beginnende Konsolidierung
- Schmerzen, Tachypnoe, Fieber, Tachycardie gehen röntgenolog. Zeichen voraus!
- Oxymeter-Kontrolle, bei Hypoxie O2 Gabe
- vorsichtige I.V. Hydrierung (cave Überwässerung!), Analgetika, Antibiotika
- Spirometrie, Atemgymnastik
- bei bronchospasmus Inhalation von Bronchodilatoren
- frühzeitige Transfusion
Bei klinischer Verschlechterung oder PO2< 80 mmHg (<11KPa): Austauschtransfusion
Bei Azidose und/oder Hypoxie: Beatmung, NO-Inhalation wird diskutiert
Es gibt keine Indikation zur Antikoagulation beim ATS
Ursache« InhaltsverzeichnisVorkommen
- wahrscheinlich Infarkte der Mesenterial-Gefäße
Klinik und Diagnostik
- alle Altersstufen
Therapie
- massiv geblähtes Abdomen, fehlende Darmgeräusche
- Erbrechen, Schmerzen um die Taille, keine Abwehrspannung
- Rö-Thorax: oft bds. basale Infiltrate
- Rö-Abdomen: maximal dilatierte Darmschlingen, Spiegelbildung
- I.V. Hydrierung, keine orale Flüssigkeit
- Magensonde
- Analgetika, wenn andere Schmerzursachen (Appendizitis, Cholezystitis, Ulcus) ausgeschlossen
- Austauschtransfusion bei Verschlechterung des Allgemeinzustandes und Anhalten des Ileussymptomatik > 24 h
- Laparotomie kontraindiziert!! Chirurgen fernhalten!
Vorkommen« InhaltsverzeichnisTherapie
- bei Patienten < 18 Jahre in 30 %
- bei Patienten > 30 Jahre in 70 %
- Cholezystektomie bei Beschwerden; in einigen Zentren wird empfohlen, Gallensteine laparoskopisch zu entfernen sobald sie diagnostiziert sind, auch ohne Symptomatik
- bei laparoskopischer Cholezystektomie weniger postoperative Komplikationen
Vorkommen« InhaltsverzeichnisTherapie
- Bei Patienten mit Sichelzell-ßThalassämie kann die Milz bis ins Erwachsenenalter vergrößert sein. Sie hat bei diesen Individuen auch noch eine Rest-Funktion.
- Viele chronisch transfundierte Patienten entwickeln Hypersplenismus.
- Bei Patienten, die Hydroxyurea nehmen, kann sich (bei jungen Kindern) die Rückbildung der Milz verzögern bzw. (bei älteren Kindern und Erwachsenen) die Milz wird wieder palpabel und es entwickelt sich ein Hypersplenismus.
- bei allen Individuen mit noch erhaltener Milz besteht das Risiko der Milzsequestration, unabhängig vom Alter
- Nur wenn die Splenomegalie mit extrem niedrigen Hb-Werten oder mit einer Panzytopenie einhergeht, ist die Splenektomie indiziert.
Häufigkeit: Bis zum 30. Lebensjahr haben 30 - 50% aller Sichelzellpatienten eine Aseptische Knochennekrose erlitten, meist am Hüftkopf, selten am Humeruskopf. Hüftkopfnekrosen können auch schon vor dem 10. Lebensjahr vorkommen.Risikofaktoren: Sichel-ß° Thalassämie; sehr häufige Schmerzkrisen; relativ hohes Hb und/oder niedriges MCV
Diagnostik: Röntgen bzw. MR (Nekrosen sichtbar wenn Rö noch unauffällig), jährliches Röntgen der Hüfte bei Erwachsenen
Therapie: Es gibt keine einheitlichen Therapieempfehlungen für Sichelzellpatienten mit Hüftkopfnekrosen. Ziel jeder Therapie muß sein, Schmerzen zu vermindern und die Funktion möglichst lange zu erhalten. Folgende Verfahren werden angewendet:
Die Endoprothese ist mit Sicherheit die schlechteste Lösung, da die Komplikations-und Versagerrate bei Sichelzellpatienten sehr hoch ist. Sie sollte bei jüngeren Patienten unter allen Umständen vermieden werden.
- Kinder < 10 Jahren:
- initiale kurze Ruhigstellung, Analgetika; dann wieder Belastung;
- Entlastung durch Thomas-Schienen werden nicht mehr empfohlen, da sie zu einer Muskelatrophie der ruhiggestellten Extremität führen
- Patienten > 10 Jahren:
- In frühen Stadien hat sich die Schenkelhals-Bohrung (Core decompression) bewährt (Entnahme eines Knochenzylinders aus dem Femurhals) zur Druckentlastung. Die Injektion von autologen Stammzellen in den Bohrkanal wird empfohlen.
- In späteren Stadien kann durch eine Umstellungs-Osteotomie Schmerzfreiheit erreicht werden.
Es ist im Interesse unserer Patienten, die
Betreuung einer so komplexen orthopädischen Komplikation wie es
die
Hüftkopfnekrose darstellt, in eine Hand zu geben.
Prof. Dr. M. Rudert an der
Orthopädischen Universitätsklinik Würzburg hat in den
letzten Jahren Erfahrung gesammelt mit Sichelzellpatienten und sich
bereiterklärt, unseren
Patienten mit Hüftkopfnekrosen konsiliarisch zu Verfügung zu
stehen
bzw. sie zu betreuen. Termine können vereinbart werden unter der
Tel-Nr. 0931-8031102(Sekretariat)
« Inhaltsverzeichnis
VorkommenMännliche Patienten bzw. Eltern müssen frühzeitig informiert werden über die Möglichkeit des Auftretens eines Priapismus. Werden kurze, rezidivierende Episoden von Priapismus (stuttering priapism) dem betreuenden Arzt nicht mitgeteilt, werden sie nicht behandelt. Das Risiko einer langandauernder Priapismus-Episode ist dann groß.
- > 5 Jahre
Therapie bzw. Prophylaxe1. rezidivierende, kurze Episoden (sog. "stuttering priapism")
Etilefrin (Effortil, alpha-adrenerger Agonist)wenn Episoden auch tags auftreten, Effortil auf 2 Dosen aufteilen, morgens und abends
- 0,5 mg/kg po abends bei Kindern <15Jahren
- 30 mg po abends bei Pat. >15 Jahren
Effortildosis kann bis auf 100 mg/24 Stdn. gesteigert werden.
2. Priapismus > 3 StundenNach partiellen Austauschtransfusionen bei Priapismus wurden neurologische Komplikationen beschrieben. Wenn Effortil eingesetzt wird, sollten part. Austauschtransfusionen sich erübrigen.wenn keine Rückbildung unter Hydrierung, Wärme, Analgetika, Blasenkatheter wird von einigen Arbeitsgruppen folgendes empfohlen:bei rezidivierenden, langen Episoden
- Drainage der Corpora cavernosa über G 23 Butterfly, anschließend 1-2 x intracavernöse Injektion von 6 mg. Effortil.
- alternativ (da Effortil zur Injektion seit 07/05 nur noch über Internationale Apotheke erhältlich):
- Methylenblau 25 mg (Kinder) bzw. 50 mg (Erwachsene) intracavernös oder
- Epinephrin (Suprarenin) 10 ml einer 1: 1 000 000 Lösung intracavernös (Herstellung der Verdünnung: 1 ml einer 1: 1 000 Lösung Epinephrin in 1 Liter 0,9% Na Cl)
- Patienten werden angelernt, selbst mit Butterfly-Nadel (G 25 oder 27) 6 mg Effortil intracavernös zu injizieren wenn unter Hydrierung Priapismus > 1 Std. anhält
Vorkommen« InhaltsverzeichnisUrsache
- bei ca. 3% der HbS-Heterozygoten
- bei Homozygoten vor allem in der Schwangerschaft, aber selten
Differentialdiagnose
- meist Papillen-Nekrose; in 80% Blutung aus linker Niere
Diagnose
- Glomerulonephritis, Tuberkulose, Steine, Tumor, Harnwegsinfekt
Therapie
- IVP mit nicht-ionischem Kontrastmittel
- Bettruhe, Hydrierung, Alkalisierung des Urins
- Desmopressin IV oder Tranexamsäure 1 g alle 6 Std. po
- evtl. partielle Austauschtransfusion bei Nichtsistieren der Blutung
Proteinurie kann das erste Anzeichen sein für eine sich entwickelnde Niereninsuffizienz. Bei Patienten > 6 Jahren jährlicher Urinstatus unerläßlich. Wenn Proteinurie nachgewiesen, muß Proteinausscheidung im 24 Std-Urin bestimmt werden. ACE- Hemmer bei Proteinurie > 0,5g/l kann evtl. Fortschreiten einer Niereninsuffizienz aufhalten.
Vorkommen« InhaltsverzeichnisTherapie
- Bei fast allen Sichelzellpatienten ist spätestens ab dem 3. Lebensjahr die Konzentrationsfähigkeit der Niere stark eingeschränkt. Enuresis ist sehr häufig.
- Keine Flüssigkeitseinschränkung! Sichelzellpatienten sind zur Verhinderung von Schmerzkrisen (Viskosität muß niedrig bleiben) auf hohe Flüssigkeitszufuhr angewiesen.
- Wichtig ist, Eltern und Kinder über die Zusammenhänge aufzuklären und ihnen zu versichern, daß die Enuresis nur sehr selten bis ins Erwachsenenalter bestehen bleibt.
Fast alle Sichelzellpatienten > 10 Jahren haben erhöhte Harnsäurewerte im Serum, die jedoch keiner Therapie bedürfen. Es kommt extrem selten zu Gicht-Symptomatik.
Vorkommen« InhaltsverzeichnisKlinik
- meist bei Kindern im Schulalter
Diagnostik und Therapie
- fokale motorische Ausfälle, Hemiparese,
- Bewußtseinstrübung, Sprach-oder Sehstörung
- gründliche neurologische Untersuchung
- sofortige partielle Austauschtransfusion um HbS auf < 30% zu senken
- NMR, wenn NMR nicht zur Verfügung steht, CT nach ca. 4 Tagen
- wenn bei klinisch eindeutigem Bild MR bzw.CT negativ, muß ein MR- Angio durchgeführt werden. Da in ca. 60% der ZNS-Infarkte mit Rezidiven gerechnet werden muß, müssen Patienten nach ZNS-Infarkt mindestens bis ins Erwachsenenalter regelmäßig transfundiert werden, um das HbS <30% zu halten. Ein durchgemachtes ZNS-Ereignis bei Patienten < 16 Jahren ist eine Indikation zur Knochenmarkstransplantation, wenn ein HLA-identischer Familienspender z. Verfügung steht.
- Trans-Cranielle Doppler Sonographie = Methode zur Diagnose von Gefäßstenosen.
Möglichkeit zur frühzeitigen Erfassung von Veränderungen der basalen Arterien bei Patienten mit homozygoter Sichelzell- bzw. HbSß0Thal-Krankheit im Alter von 2 - 16 Jahren. Jährliche Messung, bei grenzwertigem Ergebnis Wiederholung nach 4 Monaten, bei pathol. Werten Wiederholung nach 2-4 Wochen. Bei 2 x gemessener Flussgeschwindigkeit > 200 cm/ sec wird prophylaktisches chron. Transfusionsprogramm empfohlen. Cave: Um 1 Infarkt zu vermeiden, müssen 10 Kinder transfundiert werden. Die Dauer des Transfusionsprogrammes ist unklar. Es gibt Studien, die Wirksamkeit von Hydroxycarbamid als Alternative zu prüfen.
Vorkommen« InhaltsverzeichnisKlinik
- meist ältere Kinder und Erwachsene
Blutungen können sein: epidural, subdural, subarachnoidal, intraventrikulär, intracerebralDiagnostik und Therapie
- oft treten vorher starke Kopfschmerzen auf, ohne fokale neurologische Ausfälle
- Meningismus und Kopfschmerz bei subarachnoidaler Blutung
- CT
- partielle Austauschtransfusion
- Kraniotomie und Entleerung subduraler oder epiduraler Blutungen
- LP bei Verdacht auf subarachnoidale Blutung
- Angiographie und evtl. operative Entfernung von Aneurysmen bei subarachnoidaler Blutung
- Dauer des notwendigen Transfusionsregimes unklar.
1. Proliferative Retinopathie
Vorkommen2. Traumatisches HyphämaKlinik
- bei ca. 50% aller Patienten mit HbSC-Erkrankung (meist Patienten westafrikanischer Herkunft!) ab der 2. Lebensdekade
- bei Patienten mit HbSS und Sichelzell-ßThalassämie wesentlich seltener
Diagnostik
- Verschwommenes Sehen, Blindheit durch Glaskörperblutung bzw. Netzhautablösung
Therapie
- ab dem 10. Lebensjahr muß die Retina aller Patienten mit Sichelzellerkrankung, vor allem aber mit HbSC-Erkrankung, jährlich bei völlig dilatierter Pupille untersucht werden.
- frühzeitige Laser-oder Photokoagulation der neovaskularisierten Retinaareale
- chirurgische Therapie bei Glaskörperblutung bzw. Netzhautablösung.
- Vor ophthalmologischen Operationen immer partielle Austauschtransfusion!
Sichelzellpatienten mit traumatischem Hyphäma (Blut in der vorderen Augenkammer) müssen sofort einem Ophthalmologen vorgestellt werden, da sie ein hohes Risiko haben, gesteigerten Augeninnendruck zu entwickeln« Inhaltsverzeichnis
Folgendes Vorgehen wird heute empfohlen:
Partielle Austauschtransfusion um das HbS auf < 30% zu senken:
« Inhaltsverzeichnis1. bei schwerkranken, beeinträchtigten Patienten, die einen unaufschiebbaren chirurgischen Eingriff benötigenBei jeder Allgemeinnarkose bei Sichelzellpatienten ist auf folgendes zu achten:
2. vor größeren Eingriffen wie Herz-oder Lungenoperation, Ophthalmologischen Operationen, Eingriffen in Blutleere.
Bei Patienten in gutem Allgemeinzustand ist bei steady-state Hb - Werten um 7- 8 g/dl vor kleineren Eingriffen (AT, TE, Circumcision) keine Transfusion notwendig. Auch Splenektomie und Cholezystektomie, die häufigsten operativen Eingriffe bei Sichelzellpatienten, können bei Patienten in gutem AZ ohne vorherige Transfusion durchgeführt werden.1. H y d r i e r u n g mit 1500 ml / m² 24 Std. von Beginn der Nüchternheit bis zur vollen oralen Flüssigkeitszufuhr.
2. O x y g e n i e r u n g von Prämedikation bis zum vollen Wachsein, unter Oxymeterkontrolle.
3. V e r m e i d e n v o n U n t e r k ü h l u n g
4. Postoperative AtemgymnastikBei größeren Eingriffen, vor allem bei Patienten mit Sichelzell-ßThalassämie und HbSC-Erkrankung, wird empfohlen, bis zur vollen Mobilisierung fraktioniertes Heparin s.c.zu geben.
ist verzögert, vor allem bei Knaben und untergewichtigen Patienten; verzögerte Pubertät hängt mit verminderter Muskelmasse bei Sichelzellpatienten zusammen.
Therapie« Inhaltsverzeichnis
- Erklärung der Zusammenhänge Gewicht -und Pubertät und Versicherung, daß Pubertät, wenn auch später, fast immer spontan eintritt.
- evtl. kalorienreiche Zusatznahrung in Form von hochkalorischer Flüssignahrung
Risiken einer Schwangerschaft sind
größer als Risiken der Pille
Es gibt keinen Nachweis, daß
Sichelzellpatientinnen, die die Pille nehmen, ein größeres
Thromboserisiko haben als
Gesunde.
Möglichkeiten der Kontrazeption:« Inhaltsverzeichnis1. übliche Östrogen/Gestagen-Kombinationspräparate
2. Depot-Präparat Medroxy-Progesteron I.M. alle 3 Monate
3. Intrauterine Spirale (kein erhöhtes Infektionsrisiko!)
Eltern, die schon ein Kind mit Sichelzellerkrankung haben und weitere Kinder wünschen sowie Paare, die Träger der Sichelmutation bzw. der ß°-Thalassämie-Mutation sind, sollten frühzeitig über die Möglichkeit der Pränatalen Diagnostik informiert werden.
Jedes Individuum hat ein Anrecht auf Information über das genetische Risiko, ein krankes Kind zu bekommen. Die persönliche Einstellung des betreuenden Arztes zur pränatalen Diagnostik bzw. zum Schwangerschaftsabbruch darf diese Informationspflicht nicht beeinträchtigen. Die Entscheidung für oder gegen pränatale Diagnostik ist eine Entscheidung der betroffenen Eltern und nicht des Arztes. Es ist nicht vertretbar bei Familien bestimmter Religionszugehörigkeit (Islam, Katholizismus) von vorne herein davon auszugehen, dass die Pränatale Diagnostik sowieso nicht akzeptiert wird, es sich deshalb nicht lohnt, überhaupt darüber zu sprechen. Auf Zypern (griech. Orthodox, 19% ß-Thal Träger in der Bevölkerung) und Sardinien (katholisch, 15% ß-Thal Träger in der Bevölkerung) werden so gut wie keine Kinder mit Thalassämia Major mehr geboren, dank umfassendendem Träger-Screening und Information über die Pränatale Diagnostik. Auch der Islam verbietet den Schwangerschaftsabbruch aus medizinischen Gründen nicht (siehe Literatur Zahed et al.)Um festzustellen, ob der Fet homozygot bzw. doppelt heterozygot (HbSß° Thal) oder gesund ist (HbAA, HbAS, oder ß° Träger) werden in der 10. - 12. Schwangerschaftswoche durch Chorionzottenbiopsie fetale Zellen gewonnen, die mit molekularbiologischen Methoden untersucht werden. Ist der Fet betroffen, steht den Eltern die Option des Schwangerschaftsabbruches offen. Ist der Fet lediglich Träger eines der Merkmale (HbS, ß° Thal) kann die Schwangerschaft ausgetragen werden ohne Angst vor der Geburt eines kranken Kindes.
Die Pränatale Diagnostik für Hämoglobinerkrankungen wird in Deutschland durchgeführt bei
- Prof. Dr. P. Wieacker, Institut für Humangenetik der Universität Münster, Vesaliusweg 12, 48129 Münster. Tel. 0251-8355401
- Prof. Dr. A. Kulozik, Univ.-Kinderklinik Heidelberg, Im Neuenheimer Feld 151, 69120 Heidelberg Tel 06221-564555
- Dr. rer. nat. Christa Aulehla-Scholz, Institut für Klinische Genetik, Olgahospital, Bismarckstr. 3, 70176 Stuttgart Tel 0711-9924008
- Prof. Dr. med. E. Kohne, Universitäts-Kinderklinik, Eythstrasse 24, 89075 Ulm Tel 0731-50057149
Frauen mit Sichelzellanämie sind fertil, während die Fertilität bei Männern durch geringe Spermienzahlen und herabgesetzte Motilität vermindert ist.
Der Partner der Schwangeren muß so früh wie möglich untersucht werden, ob er Träger einer Hämoglobinopathie ist, um pränatale Diagnostik durchführen zu können.
Betreuung bei HbSS (homozygote
Sichelzellanämie) , HbSß° (Sichel-Thalassämie) oder
HbSC.Krankheit
Sorgfältige und
regelmäßige
pränatale Betreuung ist wesentlich für den günstigen
Verlauf
der Schwangerschaft. Regelmäßige Transfusionen während
der
Schwangerschaft vermindern die Morbidität der Mutter, haben
aber
keinerlei positive Auswirkung auf das Kind.
Regelmäßige Transfusionen sind indiziert ab dem 4. Monat bei Patientinnen, die in der Vorgeschichte schwere Komplikationen hatten (Thoraxsyndrom, ZNS-Infarkte, schwere Schmerzkrisen)
Einzelne Transfusionen können indiziert sein bei interkurrenten Komplikationen wie Akutem Thorax-Syndrom, symptomatischer Anämie.
Bei Schmerzkrisen in der
Schwangerschaft
können die üblichen Analgetika nach dem 3-Stufen-Plan
verabreicht
werden, auch Morphium. Ausnahme: im letzten Drittel der Schwangerschaft
sollten keine NSAR gegeben werden, da sie eine Frühgeburt
auslösen können. Eine prompte Behandlung von
Harnwegsinfekten ist
wichtig.
Schwangere mit HbSC-Erkrankung oder
HbSß+ Thal haben meist keine wesentlichen Probleme und
benötigen nur sehr
selten Transfusionen.
Die Entbindung kann meist
vaginal
erfolgen. Die Indikation zur Sectio wird auf Grund geburtshilflicher,
nicht
hämatologischer Kriterien gestellt. Epidurale Anästhesie ist
nicht
kontraindiziert. Ist eine Notsectio bei einer nichttransfundierten
Patientin
in Allgemein-Anästhesie notwendig, kann folgendermaßen
vorgegangen
werden: Transfusion bei sehr niedrigem Hb. Im Anschluß an die
Narkose
nasales CPAP für ca. 24 Stunden. Bei guter O2 Sättigung in
Raumluft
und gutem AZ Beendigung von CPAP.
Von einigen Autoren wird empfohlen, von
der 36. Woche bis 6 Wochen nach der Entbindung Heparin s.c. zu geben, 2
x täglich 5000 I.U .
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Die Stammzelltransplantation (SZT) ist die einzige Möglichkeit der Heilung für Sichelzellpatienten. Weltweit sind bis Dez. 2009 ca. 250 Transplantationen bei dieser Patientengruppe durchgeführt worden, fast ausschließlich bei Patienten < 16 Jahren und fast ausnahmslos von HLA-identischen Familienspendern. Die Mortalität war bislang 15%, die Abstoßungsrate 10%.
Die Hauptschwierigkeit bei der Indikationsstellung ergibt sich aus der Tatsache, daß es sich zwar um eine Erkrankung mit möglichen lebensbedrohlichen Komplikationen handelt, daß aber der individuelle Verlauf der Erkrankung nicht vorhersehbar ist.
Eine klare Indikation zur SZT ist: ein
durchgemachter ZNS-Infarkt bei einem Patienten < 16 Jahren, wenn ein
HLA-identischer
Familienspender vorhanden ist;
Gehäufte schwere Schmerzkrisen
und/oder > 2 schwere Akute Thorax-Syndrome bei Patienten, die keine
Besserung erfahren durch Hydroxyurea und die einen HLA-identischen
Familienspender haben. Inzwischen gibt es eine nonmyeloablative
Konditionierung
für Erwachsene, die einen HLA-identischen Familienspender
haben.
Wenn eine SZT bei einem der
Studienpatienten in Betracht gezogen wird, sollte mit der
Studienleitung Kontakt aufgenommen werden.
Fremdspender-Transplantationen bei Sichelzellpatienten sind
experimentell und hatten bislang sehr schlechte Ergebnisse. In USA
läuft seit 2008 eine NIH-Studie zur Fremdspendertransplantation
bei Kindern.
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Hydroxycarbamid, ein Zytostatikum,
kann
bei Sichelzellpatienten über eine HbF-Synthesesteigerung und eine
Veränderung der Oberflächeneigenschaften der Erythrozyten die
Häufigkeit und Schwere von Schmerzkrisen und Akuten
Thorax-Syndromen reduzieren. Hydroxycarbamid ist indiziert bei
häufigen schweren Schmerzkrisen, > 2 Akuten Thorax-Syndromen
bzw. bei ständiger schwerer Anämie (Hb < 6 g/dl). Es gibt
inzwischen Langzeit-Beobachtungen über 17 Jahre.
Teratogenität bei therapeutischen Dosen wurde bis jetzt nicht
nachgewiesen. Bis jetzt wurde auch keine erhöhte Malignomrate bei
behandelten Patienten beobachtet (Zeitraum 17 Jahre). Die wichtigsten
Nebenwirkungen sind: Immunsuppression (opportunistische Infektionen),
Azoospermie , Hypomagnesämie, Haut-und Nagel-Hyperpigmentierung,
Gewichtszunahme, Myelosuppression, GI-Beschwerden.
Voraussetzung
für eine Therapie mit Hydroxycarbamid ist Kontinuität
der
ärztlichen
Betreuung, regelmäßige Laborkontrollen (Blutbild,
Elektrolyte) zu erwartende Kompliance des Patienten bezüglich der
häufigen Laborkontrollen und wirksame Antikonzeption bei Frauen,
Dokumentation von Nebenwirkungen. Jungen Männern sollte vor Beginn
einer Hydroxycarbamid-Therapie eine Sperma-Kryokonservierung empfohlen
werden.
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Mit zunehmendem Alter leiden Sichelzellpatienten immer mehr unter chronischen Organschäden.
Kardial:
- Myocardiopathie (durch Minderdurchblutung des Myocards)
- Pulmonaler Hochdruck
Diagnose:Therapie:
- Doppler-Echographie, Herzkatheter
- chron. Transfusionsprogramm
Pulmonal:Renal:
- Lungenfibrose, Pulmonaler Hochdruck (Folge der intravasalen Hämolyse)
Hämatologisch:
- Niereninsuffizienz bei 5% aller Patienten (Alter meist > 40 Jahre)
Diagnose:Therapie:
- ansteigendes Kreatinin (bei Kreatinin von > 0,8 mg/dl Verdacht auf chron. Niereninsuffizienz!! Sichelzellpatienten haben normalerweise sehr niedrige Kreatinin-Werte)
- Zunehmende Anämie
- Zunehmende Proteinurie trotz ACE-Hemmern
- chron. Transfusionsprogramm
- Dialyse; evtl. Transplantation, dann allerdings gefolgt von chron. Transfusionsprogramm
ZNS:
- Knochenmarksinsuffizienz (Panzytopenie) bei Patienten > 40 Jahre
Ursache: ausgedehnte KM-NekrosenHepatisch:
- mit zunehmendem Alter haben viele Patienten abnorme MRTs durch sog. "silent infarcts", die sich manifestieren können durch Gedächtnisverlust, Kopfschmerzen, neuro-psychologische Auffälligkeit
Knochen:
- Leber-Infarkte können zu postnekrotischer Zirrhose führen
- Leber-Sequestrationen (Hepatomegalie, Hb-Abfall, Fieber, eingeschränkte Leberfunktionen, schweres Krankheitsbild).
Therapie:
- Austauschtransfusion
Augen:
- Deckplatteneinbrüche, Osteopenie, Asept. Knochennekrosen
iatrogen:
- Proliferative Retinopathie (vor allem bei HbSC-Patienten)
- Eisenüberladung durch chron. Transfusionen
- Alloimmunisierung
Erwachsene Sichelzellpatienten haben weniger häufig akute Schmerzkrisen. Dafür können bei einigen älteren Patienten chronische Schmerzen auftreten, die Patienten und Ärzte verunsichern:
Ursachen chronischer Schmerzen können sein:
In allen anderen Fällen muß durch Einsatz von Analgetika und physikalischen Methoden versucht werden, die Lebensqualität des Patienten zu erhalten. Bei Rückenschmerzen durch Deckplatteneinbrüchen sollte auf keinen Fall ein Korsett getragen werden, das zur Atrophie der Rückenmuskulatur führt. Wesentlich sinnvoller ist, zusätzlich zu Analgetika, intensive Krankengymnastik zur Kräftigung der Rückenmuskulatur.
Bewährt haben sich als Basisanalgetika die Nicht-Steroidalen-Anti-Rheumatika. bei längerem Gebrauch muß allerdings alle 3 Monate die Nierenfunktion überprüft werden. Wenn die NSAR nicht ausreichen, müssen sie kombiniert werden mit Retard-Opiaten wie Oxycodon (Oxygesic) oder Morphin (MST). Patienten müssen lernen, die kleinstmögliche Menge zu nehmen, die ihre Schmerzen kontrolliert.
In manchen Fällen ist eine
Änderung der Lebensgewohnheiten bzw. eine Veränderung des
Arbeitsplatzes (Umschulung) notwendig. Physiotherapie, Wärme
oder Akupunktur können
hilfreich sein.
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